Knoblauchhonig selber machen – ein altes Hausmittel für Herbst und Winter
Wenn die Tage wieder kürzer werden, morgens der erste Nebel über den Hügeln liegt und wir abends immer öfter den Ofen anzünden, beginnt für mich eine ganz besondere Zeit im Jahr.
Der Herbst ist für mich nicht nur die Zeit für Kerzen, warme Pullover und lange Spaziergänge. Es ist auch die Jahreszeit, in der ich wieder anfange, mich mit alten Hausmitteln zu beschäftigen.
Mit Dingen, die unsere Großeltern noch ganz selbstverständlich kannten und die heute zwischen Nahrungsergänzungsmitteln, Superfoods und all den neuesten Gesundheitstrends manchmal fast ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.
Eines davon wollte ich dieses Jahr unbedingt ausprobieren:
Knoblauch in Honig.
Zwei Zutaten, die wahrscheinlich fast jeder zu Hause hat – und daraus entsteht ein traditionelles Hausmittel, das sich wunderbar in eine kleine saisonale Hausapotheke einfügt.
Was ist Knoblauchhonig?
Knoblauchhonig besteht tatsächlich aus nicht viel mehr als dem, was der Name bereits verrät: frischem Knoblauch und Honig.
Die Knoblauchzehen werden angeschnitten oder leicht zerdrückt, in ein sauberes Glas gegeben und anschließend vollständig mit Honig bedeckt.
Dann braucht es vor allem eines: Zeit.
Während der Knoblauch im Honig liegt, gibt er Flüssigkeit und Inhaltsstoffe an den Honig ab. Dadurch wird der Honig mit der Zeit meist deutlich dünnflüssiger und nimmt natürlich auch den Geschmack des Knoblauchs an.
Und ja – er schmeckt tatsächlich nach Knoblauch. 😄
Warum wird der Knoblauch angeschnitten?
Ich fand diesen Teil besonders spannend.
Knoblauch enthält von Natur aus unter anderem die schwefelhaltige Verbindung Alliin sowie das Enzym Alliinase. Solange die Knoblauchzehe unversehrt ist, sind diese voneinander getrennt.
Wird der Knoblauch geschnitten, zerdrückt oder anderweitig verletzt, kommen sie miteinander in Kontakt. Dadurch wird eine Reaktion ausgelöst, bei der unter anderem Allicin entstehen kann.
Allicin gehört zu den Stoffen, die für den charakteristischen Geruch von frisch geschnittenem Knoblauch verantwortlich sind und die in der Forschung wegen ihrer antimikrobiellen Eigenschaften untersucht werden.
Deshalb verwende ich für meinen Knoblauchhonig keine vollkommen unversehrten Knoblauchzehen, sondern schneide sie zumindest einmal an oder drücke sie leicht mit der flachen Seite eines Messers an.
Und warum Honig?
Honig ist viel mehr als einfach nur etwas zum Süßen.
Er wird bereits seit sehr langer Zeit traditionell als Hausmittel verwendet, besonders bei Husten und gereiztem Hals. Seine hohe Zuckerkonzentration, sein niedriger Wassergehalt und weitere Bestandteile tragen zu seinen antimikrobiellen Eigenschaften bei.
Gerade bei akutem Husten gibt es inzwischen auch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Honig die Beschwerden lindern kann.
Für Kinder unter einem Jahr ist Honig allerdings grundsätzlich nicht geeignet.
Knoblauchhonig selber machen
Für ein kleines Glas braucht ihr:
- frische Knoblauchzehen
- flüssigen Bienenhonig
- ein sauberes, trockenes Glas
Die Knoblauchzehen zunächst schälen und anschließend halbieren, einschneiden oder leicht zerdrücken.
Ich lasse den angeschnittenen Knoblauch anschließend ungefähr zehn Minuten liegen, bevor ich ihn ins Glas gebe.
Danach kommen die Knoblauchzehen in das saubere Glas und werden vollständig mit Honig bedeckt.
Das Glas verschließen und ziehen lassen.
Einmal täglich wende ich das geschlossene Glas vorsichtig, damit die Knoblauchzehen immer wieder mit Honig benetzt werden.
Mit der Zeit werdet ihr wahrscheinlich feststellen, dass sich die Konsistenz verändert. Der Knoblauch gibt Wasser ab und der Honig wird dadurch dünnflüssiger. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches.
Ich bewahre meinen selbst angesetzten Knoblauchhonig im Kühlschrank auf.
Welcher Honig eignet sich?
Ihr braucht dafür keinen besonders teuren Honig.
Ein guter Blüten- oder Wildblütenhonig reicht vollkommen aus. Besonders praktisch ist ein Honig, der noch relativ flüssig ist, weil sich damit die Knoblauchzehen leichter vollständig bedecken lassen.
Auch Akazienhonig eignet sich gut, da er lange flüssig bleibt und geschmacklich eher mild ist.
Manuka-Honig würde ich persönlich dafür nicht verwenden. Er ist deutlich teurer und für einen einfachen Knoblauchhonig nicht notwendig.
Am schönsten finde ich natürlich einen guten Honig von einem Imker aus der Umgebung.
Wie nimmt man Knoblauchhonig?
Ich sehe Knoblauchhonig vor allem als Lebensmittel und traditionelles Hausmittel und nicht als Medizin.
Man kann beispielsweise einen kleinen Teelöffel vom Honig nehmen – entweder pur oder zusammen mit einem kleinen Stück Knoblauch.
Wer empfindlich auf rohen Knoblauch reagiert, sollte lieber mit einer kleinen Menge beginnen und ihn nicht unbedingt auf nüchternen Magen essen.
Und falls ihr euch fragt, ob man danach nach Knoblauch riecht:
Ja. 😄
Vor allem dann, wenn ihr die Knoblauchzehen mitesst.
Wenn ihr nur etwas von dem Honig nehmt, ist es meist deutlich weniger ausgeprägt.
Meine kleine Cottage-Hausapotheke
Je mehr ich mich mit einem saisonalen Leben beschäftige, desto spannender finde ich auch dieses alte Wissen.
Nicht, weil ich glaube, dass wir für jedes gesundheitliche Problem einfach nur in den Küchenschrank greifen müssen. Und schon gar nicht, weil natürliche Hausmittel eine notwendige medizinische Behandlung ersetzen könnten.
Sondern weil ich es schön finde, wieder zu wissen, was man mit ganz einfachen Dingen machen kann.
Honig bei einem kratzenden Hals.
Thymian als Tee.
Salzwasser zum Gurgeln.
Ingwer an einem kalten Herbstmorgen.
Oder eben ein kleines Glas Knoblauchhonig im Kühlschrank.
Vielleicht ist das für mich auch ein Teil von Seasonal Living: nicht nur die Wohnung entsprechend der Jahreszeit zu dekorieren oder saisonal zu kochen, sondern wieder bewusster wahrzunehmen, was die jeweilige Jahreszeit mit sich bringt und was wir in dieser Zeit brauchen.
Im Sommer sind es vielleicht frische Beeren, lange Abende draußen und offene Fenster.
Im Herbst werden daraus warme Suppen, Kräutertee, Feuer im Ofen und ein kleines Regal mit Dingen, die uns durch die kalten Monate begleiten.
Und genau dort bekommt mein Knoblauchhonig dieses Jahr seinen Platz.
Mal sehen, ob er sich bewährt. 🤎
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Erfahrung mit einem traditionellen Lebensmittel bzw. Hausmittel und ersetzt keine medizinische Beratung. Knoblauchhonig ist kein Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Erkrankungen. Honig darf Kindern unter zwölf Monaten nicht gegeben werden. Größere Mengen rohen Knoblauchs können außerdem Magen-Darm-Beschwerden verursachen und unter anderem bei der Einnahme bestimmter blutverdünnender Medikamente relevant sein.
