An Port – der Lost Place am Wild Atlantic Way
Es gibt Orte, die man besucht, ein paar Fotos macht und danach wieder weiterfährt. Und dann gibt es Orte, die irgendwie länger bleiben. An Port im County Donegal gehört für mich zu dieser zweiten Kategorie.
Die kleine, heute weitgehend verlassene Siedlung an der Westküste Irlands ist kein klassischer Ausflugsort. Hier gibt es kein großes Besucherzentrum, kein Café und keine Sehenswürdigkeit, die man innerhalb von zehn Minuten abhaken kann. Stattdessen findet man alte Steinmauern, die Überreste ehemaliger Häuser, grüne Hügel und den Atlantik, der nur wenige Schritte entfernt gegen die Felsen schlägt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich An Port so fasziniert. Es ist ein Ort, an dem man automatisch langsamer wird. Man tauch ein in diesen Ort und fragt sich unweigerlich, wer hier einmal gelebt hat. Wer morgens hier stand und auf das Meer geschaut hat. Und wie sich wohl ein ganz gewöhnlicher Tag in diesem abgelegenen Dorf angefühlt haben muss.



Wo liegt An Port in Donegal?
An Port liegt im Westen von County Donegal, an der rauen Atlantikküste Irlands, ganz in der Nähe von Glencolmcille. Die Siedlung befindet sich an einer kleinen geschützten Bucht und gehört zu jener wilden Küstenlandschaft, für die die Westküste Irlands bekannt ist.
Die Gegend rund um An Port ist geprägt von grünen Hügeln, felsigen Küsten, alten Steinmauern und dem weiten Atlantik. Gerade diese Kombination macht die Region für mich so besonders. Die Landschaft wirkt gleichzeitig weich und rau: sattgrüne Wiesen auf der einen Seite und dunkle Felsen und das offene Meer auf der anderen.
Die Anreise nach An Port – schon der Weg ist ein Abenteuer
Der Besuch von An Port beginnt eigentlich schon auf dem Weg dorthin.
An Port ist nur mit dem eigenen Auto erreichbar, und die Anfahrt ist definitiv Teil des Erlebnisses. Ab Glencolmcille geht es 16 km durch wilde Landschaft. Die Straße wird immer schmaler, je weiter man in die abgelegene Landschaft hineinfährt. Sie schlängelt sich entlang der grünen Hügel und durch eine Landschaft, in der die Häuser irgendwann immer weniger werden.
Man fährt vorbei an alten Steinmauern und grünen Weiden. Schafe stehen auf den Wiesen oder machen es sich gleich mitten auf der Straße gemütlich.
Ich mag diese Art von Straßen. Sie sind nicht besonders komfortabel und man kommt auch nicht besonders schnell voran. Aber genau das gefällt mir. Man fährt langsam und hat dadurch überhaupt erst die Möglichkeit, die Landschaft richtig wahrzunehmen.
Hinter jeder Kurve sieht es wieder ein bisschen anders aus. Die Straße schlängelt sich immer weiter durch die Landschaft und irgendwann fühlt es sich tatsächlich ein wenig so an, als würde man in eine andere Welt fahren. Bis dann schliesslich irgendwann plötzlich der Atlantik auftaucht.


An Port – die verlassene stadt am Atlantik
Heute wirkt An Port beinahe wie eine kleine Geisterstadt.
Ein paar alte Steinmauern stehen noch immer in der Landschaft, während Gras und Pflanzen langsam zwischen den Steinen wachsen. Von einigen Häusern sind nur noch Teile der Mauern erhalten. Es ist erstaunlich ruhig. Man hört den Wind, das tosende Meer und die Möwen. Ansonsten ist hier nicht viel. Und genau diese Ruhe macht den Ort so besonders. Ich finde, dass verlassene Orte immer etwas mit einem machen. Man sieht nicht einfach nur eine Ruine. Man versucht sich automatisch vorzustellen, was vorher dort gewesen ist.
Hier wurden Kinder groß, Menschen haben gearbeitet, gegessen, gelacht und vermutlich genauso viele ganz normale Tage erlebt wie wir heute.Für uns ist es heute Geschichte. Für die Menschen, die hier gelebt haben, war es einfach ihr Zuhause.

Die Geschichte von An Port in Donegal
An Port bedeutet auf Irisch schlicht „der Hafen“. Der Name passt perfekt zu dem kleinen Küstenort, denn die Bucht ist eng mit dem Meer verbunden.
Die Lage erklärt eigentlich schon viel über die Geschichte der Siedlung. Die kleine Bucht bot Schutz und das Meer war für die Menschen Lebensgrundlage und Verkehrsweg. Gefischt wurde in den Küstengewässern und das Leben war eng mit der Landschaft und dem Atlantik verbunden. Wenn man heute dort steht, kann man sich gut vorstellen, warum Menschen sich genau hier niedergelassen haben. Gleichzeitig darf man die Geschichte von An Port nicht zu romantisch betrachten. Die Landschaft, die wir heute wunderschön finden, war für die Menschen, die hier lebten, auch eine Herausforderung. Alleine die Anreise war wahrscheinlich schon eine mehrtätige Reise und unglaublich beschwerlich. Der Atlantik konnte Nahrung liefern, aber er konnte genauso gefährlich sein. Das Wetter bestimmte den Alltag. Die Abgeschiedenheit bedeutete, dass viele Dinge schwieriger zu erreichen waren. Was für uns heute ein abgelegenes und wunderschönes Reiseziel ist, war für die Bewohner von An Port mühsamer Alltag.
Wurde An Port während der Great Famine verlassen?
Über An Port findet man immer wieder die Erzählung, dass die Siedlung während der Great Famine, der Großen Hungersnot in Irland von 1845 bis 1852, verlassen wurde. Die letzten Bewohner verließen An Port jedoch erst ungefähr Ende der 1960er Jahre. Deshalb ist der Niedergang der Siedlung wahrscheinlich vielmehr ein langsamer Prozess, der sich über viele Jahrzehnte entwickelt hat. Nach und nach verließen die Bewohner den Ort. Nicht alle auf einmal. Sondern langsam. Generation für Generation. Bis irgendwann niemand mehr blieb.
Die Landschaft rund um An Port
Natürlich kommt man nicht nur wegen der Geschichte nach An Port. Die Landschaft rund um die Siedlung ist einer der eigentlichen Gründe, warum sich die Fahrt lohnt. Die Westküste von Irland und ganz besonders die Küste von Donegal ist wild, grün und rau. Überall sieht man die typischen Steinmauern, kleine Weiden und Hügel, die sich bis zum Atlantik ziehen. Dazu kommt das wechselhafte irische Wetter. Eine Minute scheint die Sonne und die Landschaft leuchtet grün. Kurz darauf ziehen Wolken auf und die Felsen wirken plötzlich dunkel und dramatisch. Das Licht verändert die Landschaft ständig.
Ein Geheimtipp in Donegal für alle, die Ruhe suchen
Wenn du nach einem Irland Geheimtipp in Donegal suchst, der abseits der klassischen Touristenattraktionen liegt, würde ich An Port auf jeden Fall auf die Liste setzen.
Allerdings sollte man mit den richtigen Erwartungen kommen. An Port ist kein Ort für einen klassischen Tagesausflug mit vielen Attraktionen. Es gibt keine lange Liste von Dingen, die man unbedingt sehen muss. Und genau das ist für mich der Reiz. Man kommt hierher, schaut sich die alten Ruinen an, läuft ein wenig durch die Landschaft und lässt den Blick über den Atlantik schweifen. Vielleicht sitzt man irgendwann einfach nur da. Und das reicht.















An Port besuchen – praktische Tipps
Wenn du An Port besuchen möchtest, solltest du dir vor allem genügend Zeit für die Anfahrt nehmen.
Die Straße dorthin ist schmal und kurvig. Gerade deshalb würde ich langsam fahren und die Landschaft genießen. Die Fahrt ist kein notwendiges Übel, sondern gehört für mich ganz klar zum Erlebnis dazu.
Wichtig ist außerdem gutes Schuhwerk. Der Strand ist traumhaft schön, aber gerade bei Regen sehr rutschig. Eine wetterfeste Jacke gehört in Irland ohnehin ins Auto – selbst wenn beim Losfahren noch die Sonne scheint.
